03.03.2026
Künstliche Intelligenz ist längst im Berufsalltag angekommen, auch im Friseurhandwerk. Im Interview spricht Adrian, Gründer und Geschäftsführer von friseurtelefon.de, darüber, wie KI Salons konkret entlasten kann und warum sie besonders für Auszubildende ein wertvolles Werkzeug ist. Mit seinem Start up entwickelt er KI Automatisierungen für Friseursalons, vor allem einen Telefonassistenten, der Teams im Alltag unterstützt. Zuvor hat er bereits KI Lösungen in anderen Bereichen umgesetzt. Heute arbeitet er mit Friseursalons unterschiedlicher Größen in ganz Deutschland zusammen und kennt die Herausforderungen im Ausbildungsalltag aus der Praxis.
Lieber Adrian, zum Einstieg gleich die Gretchenfrage: Was bedeutet für dich künstliche Intelligenz?
Wenn man „KI“ hört, denken viele sofort an Roboter. In der Realität ist KI heute oft viel unspektakulärer, und genau deshalb so mächtig. Es ist ein Werkzeug, das sehr gut mit Worten umgehen kann. So wie ein Navi dir beim Autofahren hilft, hilft KI dir beim Denken und Formulieren. Sie kann Ideen sortieren, etwas erklären, einen Text entwerfen, ein Quiz erstellen oder Dinge planen.
Das Besondere ist: Früher musste man sich durch zehn Webseiten kämpfen. Heute kannst du sagen: „Erklär mir das in einfachen Worten“ oder „Mach mir daraus eine Checkliste“, und bekommst sofort etwas, womit du arbeiten kannst. Das kann im Alltag richtig befreiend sein, solange man im Kopf behält: KI macht Vorschläge, und wir Menschen prüfen, entscheiden und übernehmen die Verantwortung.
Welche Bedeutung kann KI für das Friseurhandwerk haben? Kannst du uns einige Beispiele aus deinen Erfahrungen nennen?
Ich bin kein Friseur, aber ich arbeite eng mit Salons zusammen und sehe immer wieder dieselben Engpässe. KI kann im Friseurhandwerk vor allem dort helfen, wo Zeit verloren geht, ohne dass das handwerkliche Ergebnis besser wird.
Ein Klassiker ist der Kommunikationsstress im Alltag. Telefon klingelt während Beratung, Färben oder Waschen. Das reißt das Team aus dem Flow, Kundinnen und Kunden warten, und am Ende ist die Stimmung oft unruhig. KI kann hier als digitale Assistenz unterstützen, indem sie wiederkehrende Fragen übernimmt, zum Beispiel Öffnungszeiten, Preise, Verfügbarkeiten, Terminanfragen oder Wiederbuchung. Das ersetzt keine menschliche Beratung, aber es bringt Ruhe in den Betrieb, weil weniger Unterbrechungen entstehen.
Ein zweiter Bereich ist die Ausbildung und Weiterentwicklung. Viele Azubis trauen sich irgendwann nicht mehr, zum dritten Mal dieselbe Frage zu stellen. Ich kenne das selbst aus der Schule. Beim ersten Mal fragt man, beim zweiten Mal geht es noch, beim dritten Mal denkt man, ich sollte das längst wissen. Genau dann bleiben Wissenslücken oft einfach liegen. KI kann hier ein Lernbuddy sein, weil sie unemotional erklärt, ohne genervt zu sein, und weil sie sich beliebig wiederholen kann.
Ganz praktische Beispiele sind: „Erklär mir das nochmal in einfachen Worten“, „Gib mir drei Merksätze und zwei typische Fehler zu dem Thema“, „Spiel ein Kundengespräch als Rollenspiel“, oder „Mach mir daraus eine Checkliste, die ich im Salonalltag abarbeiten kann“. Das sind kleine Dinge, die in Summe einen großen Effekt haben können.
3) Welche neuen Kompetenzen oder Lernziele sind deiner Ansicht nach besonders wichtig, damit Auszubildende gut auf die Zukunft vorbereitet sind?
Aus dem, was ich in der Praxis in und mit Salons mitbekomme, würde ich drei Kompetenzfelder hervorheben.
Erstens: Kontext geben können. Viele beschweren sich, dass KI dumme Antworten liefert. Oft ist das so ähnlich, wie wenn man einem Menschen sagt: „Ja, mach mal“, und der Mensch fragt zurück: „Was denn genau?“ Je besser der Kontext ist, desto besser kann die Antwort werden. Und Kontext geben ist im Endeffekt auch angelerntes Verstehen. Ein gutes Lernziel wäre deshalb: Ich kann ein Problem so beschreiben, dass ich eine brauchbare Lösung bekomme. Das hilft nicht nur bei KI, sondern generell im Berufsalltag.
Zweitens: Lernen so gestalten, dass es wirklich im Kopf bleibt. Viele Inhalte sind trocken, und genau deshalb sind Sprachlern-Apps wie Duolingo so erfolgreich, weil sie Gamification und kleine Schritte reinbringen. Das kann man mit KI gut nachbauen. Zum Beispiel können Azubis Lernfolien oder Lernzettel abfotografieren oder einscannen und sagen: „Mach mir daraus ein Quiz mit 15 Fragen, gib mir nach jeder Antwort Feedback und am Ende eine Punktzahl.“ Oder: „Quizze mich zu diesem Stoff.“ Du gibst der KI deine Lerninhalte, sie stellt dir nacheinander Fragen (wie bei Karteikarten), du antwortest und erst danach gibt sie dir Feedback, korrigiert dich bei Bedarf und erklärt kurz, was gefehlt hat. So fühlt sich das Lernen weniger einschüchternd an und wird regelmäßiger.
Drittens: Kommunikations- und Beratungskompetenz. KI kann beim Üben helfen, aber das Herzstück im Salon bleibt Vertrauen, Zuhören und ehrliche Beratung. Ein starkes Lernziel wäre zum Beispiel: Ich kann fachlich richtig arbeiten, und ich kann es so erklären, dass Kundinnen und Kunden sich verstanden fühlen.
Und zum Abschluss: Was empfiehlst du Ausbilder:innen heute, welche ersten Schritte sollten sie gehen, um ihre Ausbildung fit für die Zukunft zu machen?
Wenn ich mich in die Lage von Ausbilderinnen und Ausbildern versetze, ist der größte Engpass meistens Zeit. Deshalb würde ich nicht mit einem großen Konzept starten, sondern mit einem kleinen, echten Nutzen, der im Salonalltag funktioniert.
Mein erster Schritt wäre ein Mini-Pilot mit einem einzigen Anwendungsfall, der sofort hilft. Zum Beispiel Quiz und Karteikarten aus vorhandenen Unterlagen erstellen, Rollenspiele für Kundengespräche üben lassen oder Checklisten für Standardabläufe bauen. Wichtig ist, dass es nicht als riesiges Projekt startet, sondern als praktische Entlastung.
Der zweite Schritt ist eine klare Spielregel: KI ist Trainingspartner, nicht Autopilot. Das heißt, keine sensiblen Kundendaten eingeben, Ergebnisse immer fachlich gegenprüfen, und die Verantwortung bleibt beim Salon.
Der dritte Schritt ist eine Routine, die machbar ist. Zum Beispiel zweimal pro Woche zehn Minuten, fünf Quizfragen und eine kleine Praxisaufgabe. Klein genug, dass es nicht scheitert, aber regelmäßig genug, dass es Wirkung zeigt.
Und als sehr pragmatisches Extra: Ich würde im Team fünf bis sieben gute Prompts sammeln, die immer wieder genutzt werden können. Wenn die einmal stehen, spart das dauerhaft Zeit und macht die Anwendung für alle leichter.












