27. März 2024

Die Standardberufsbildposition „Umweltschutz und Nachhaltigkeit“ wurde als modernisierte und verbindliche Mindestanforderung bereits 2021 in die Ausbildungsordnungen aufgenommen, um Umweltschutzthemen und nachhaltiges Handeln verpflichtend zu vermitteln. Seitdem sind bald drei Jahre vergangen, weshalb wir uns gefragt haben, was sich bisher getan hat. Und wer kann das besser beantworten, als die Auszubildenden selbst? Wir haben Stephan Köster von Azubis4Future für euch gefragt.

Wichtige Fakten zum Kennenlernen: Das ist Azubis4Future

Azubis4Future sind 20 Auszubildende aus mehreren deutschen Städten, die sich für eine nachhaltige Ausbildung engagieren. Die Auszubildenden werden in verschiedensten Berufen ausgebildet. Von angehenden Erzieher:innen bis Schneider:innen werden so facettenreiche Branchen angesprochen. Bei ihren Vorhaben werden sie nicht nur von der Bundesvereinigung Nachhaltigkeit, sondern auch vom For-Future-Bündnis und Klimaneustart Berlin unterstützt.

"Zukunftsorientiert - wir fordern nicht nur, sondern gestalten aktiv Lösungen in Berufsschulen und Betrieben mit. Authentisch - wir setzen uns als Azubis für die Probleme in der Ausbildung ein und sprechen für uns selbst und unsere Zukunft in der Arbeitswelt. Kurz, wir reduzieren die Momente in denen über uns gesprochen wird und setzen und für die Momente ein in denen mit uns gesprochen wird. Notwendig - wir brauchen jetzt Ausbildungspersonal in Betrieben und Berufsschulen, welches uns das Wissen zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit vermittelt. Dies einzufordern macht uns als Azubis4Future notwendig."

Unter dem Motto: „Wir FAIRändern Zukunft!“ setzen sich die jungen Menschen für Nachhaltigkeits-und Klimainteressen von Azubis gegenüber Akteur:innen aus Politik, Wirtschaft, Bildung, Verwaltung und Zivilgesellschaft ein. Dabei arbeiten sie überparteilich und unabhängig organisiert mit den Nachhaltigkeitszielen der UN als Basis ihres Engagements.

Nachhaltiger Einsatz für große FAIRänderungen

„Wir haben bereits viel erreicht! Wir konnten das Bewusstsein für Umweltschutz und Nachhaltigkeit in unserer Ausbildungsgemeinschaft stärken und einige konkrete Projekte umsetzen, die dazu beitragen, unsere Ausbildung nachhaltiger zu gestalten.

Beispielsweise haben wir mit Azubis4Future deutschlandweit einen Raum geschaffen, in dem sich Auszubildende austauschen können und Selbstwirksamkeit erfahren. Zudem treten wir mit verschiedenen Parteien, Gewerkschaften und Ausbildungsinstituten in den Austausch und haben bereits an unseren eigenen Berufsschulen Nachhaltigkeits-AGs aufgebaut, durch welche auch Nachhaltigkeitswochen für die gesamte Schule organisiert werden“, so Stephan von Azubis4Future.

Die Planung der Tätigkeiten erfolgt einmal monatlich während eines Plenum-Treffens und darüber hinaus in Form von Arbeitsgruppentreffen. Interessierte können sich entscheiden, ob sie in der Fakten/Forderungs-AG (verfasst Forderungen und Maßnahmen), Öffi-AG (für Öffentlichkeitsarbeit und Außendarstellung) oder Orga-AG (für interne Organisation) mitwirken.

„Seitdem wir angefangen haben, gibt es sehr viel Interesse aus unterschiedlichen Bereichen. Wir werden zu vielen Veranstaltungen eingeladen, um unsere Perspektive als Azubis einzubringen und unsere Ideen anzubringen. Bisher wurde immer über die Auszubildenden geredet und überlegt, was Auszubildenden wichtig ist.

Jetzt können wir für uns selbst sprechen und das wird sehr gut angenommen. Sowohl Politiker:innen als auch Unternehmen und Schulen zeigen Interesse an unseren Ideen und unterstützen uns bei der Umsetzung unserer Projekte.“, so Stephan.

 

Verantwortung übernehmen für zukunftssichere Berufsschulen

Die Gruppe ist das Sprachrohr für alle Auszubildenden, die in Sachen Fachkräftekrise und Klimakrise Verantwortung übernehmen wollen, um auch Berufsschulen zukunftssicher zu machen. Warum das so wichtig ist? – Diese Frage sollte sich heute keiner mehr stellen, wo ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften in manchen Bereichen und Regionen fast schon Alltag geworden ist und die zunehmenden Temperaturen und unvorhersehbaren Wetterbedingungen den Nahrungsmittelsektor beeinträchtigen und zu erhöhten Preisen und zunehmenden sozialen Unruhen führen.

Forderungen von Azubis4Future:

  • Bereitet uns auf die globalen Herausforderungen vor!

  • Ermöglicht uns Engagement!

  • Schafft Perspektiven!

  • Lasst uns mitentscheiden!

  • Wertet die Ausbildung auf!

Stephan von Azubis4Future berichtet, dass einige Ausbildungsbetriebe bereits Maßnahmen im Bereich der Nachhaltigkeit umsetzen, wie z.B. die Mülltrennung oder die Teilnahme an Energiesparprogrammen. Was aber noch großer Verbesserung bedarf, ist die Einbeziehung von Auszubildenden in Projekte zum Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz.

Denn auch Azubis können und wollen sich mit ihren Ideen einbringen und an Veränderungen mitwirken. Nachhaltigkeit in der Ausbildung bedeutet für die Gruppe nicht nur fachliche Kenntnisse zu erwerben, sondern auch zu lernen, verantwortungsvoll mit der Umwelt umzugehen. Dazu gehören neben wichtigen Themen wie Recycling und Energieeinsparung auch die Geschlechtergerechtigkeit, eine faire Entlohnung u.v.m.

So sollte Nachhaltigkeit in die Ausbildung integriert werden

Dabei können sowohl Azubis als auch Ausbilder:innen in Berufsschule und Ausbildungsbetrieben Verantwortung übernehmen. Wie das geht, hat uns Stephan auch verraten:

„In den Berufsschulen haben Auszubildende durch Klassen- und Schulsprecher:innen einfacher die Möglichkeit Einfluss zu nehmen. Durch Arbeitsgruppen und einen guten Austausch mit der Schulleitung gibt es häufig die Möglichkeit, Projekte anzuregen und Veränderungen anzustoßen, auch wenn dass alles sehr langsam passiert.

In den Unternehmen gestaltet sich das schwieriger, da es hier meistens keine Auszubildendensprecher:innen gibt, die als Sprachrohr an die Geschäftsführung dienen. Daher ist man in seinem Betrieb meistens auf das Interesse und das Engagement der Ausbilder:innen angewiesen, die einen unterstützen, Projektideen beim Chef anzuregen.

Meistens kommt es in beiden Bereichen jedoch auf den persönlichen Kontakt zu den einzelnen Menschen an, das heißt mit Lehrkräften und Ausbilder:innen über das Thema sprechen, sich anbieten, einen Workshop zu geben oder Mitazubis dazu motivieren, sich in der Freizeit über Nachhaltigkeit zu informieren.“

Wie könnten Ausbilder:innen Nachhaltigkeit stärker in die Ausbildung einbeziehen?

„Viele Ausbilder:innen und auch Lehrkräften in den Berufsschulen fehlt das Wissen, Inhalte im Bereich Nachhaltigkeit für den konkreten Beruf zu vermitteln. Dem Ausbildungspersonal muss erstmal das Wissen zur Verfügung gestellt werden, dann kann es durch Projekte und konkrete Anwendung im Betrieb in den Unterricht eingebracht werden.

Das Lehrpersonal, welches sich bereits mit dem Thema auseinandersetzt, kann selbst ein Vorbild sein, indem sie nachhaltige Praktiken in ihrem eigenen Arbeitsbereich umsetzen und das Wissen dazu weitergeben.“ Und was können Ausbilder:innen tun, um euch zu unterstützen? „Ausbilder:innen können einen Zeitraum in der Arbeitszeit einführen, in dem sich Azubis in ihrem Betrieb um das Thema Nachhaltigkeit kümmern können.

Außerdem können sie uns ermutigen, uns für Nachhaltigkeit einzusetzen und uns dabei fördern, neue Ideen zu entwickeln. Sie können uns unterstützen, unsere Ideen mit Chefs oder Vorständen zu besprechen und sich selbst in dem Thema Nachhaltigkeit weiterbilden und das Wissen an die Auszubildenden weitergeben.“

Und was können Ausbilder:innen tun, um euch zu unterstützen?

„Ausbilder:innen können einen Zeitraum in der Arbeitszeit einführen, in dem sich Azubis in ihrem Betrieb um das Thema Nachhaltigkeit kümmern können. Außerdem können sie uns ermutigen, uns für Nachhaltigkeit einzusetzen und uns dabei fördern, neue Ideen zu entwickeln.

Sie können uns unterstützen, unsere Ideen mit Chefs oder Vorständen zu besprechen und sich selbst in dem Thema Nachhaltigkeit weiterbilden und das Wissen an die Auszubildenden weitergeben.“

 

Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit in Berufsschule und Betrieb

Um dem Fachkräftemangel und der Klimakrise in größerem Maße entgegenzuwirken sollte mehr in Bildungs- und Weiterbildungsangebote investiert und die Motivation junger Menschen eine Schulbildung, Weiterbildung oder berufliche Bildung aufzunehmen, unterstützt werden.

Weiterhin können auch verbesserte Arbeitsbedingungen in Bezug auf Gehalt, Arbeitsplatzsicherheit, Work-Life-Balance und Teamkultur, die Flexibilisierung von Arbeitszeiten und Arbeitsmodellen sowie die Förderung von Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten der Fachkräftekrise entgegenwirken.

Auch internationale Fachkräfte mit fairer und transparenter Arbeitsvermittlung können zum Teil für Ausgleich sorgen, damit bei bestehendem Personal einer zunehmenden Überlastung vorgebeugt wird. Vor allem ressourcenschonendes Arbeiten sollte den Auszubildenden beigebracht werden und in Ausbildungsrahmenplänen verankert sein, weil auch nachhaltige Ausbildungen den Erhalt der Umwelt unterstützen können.

Dabei sollten Auszubildende und Ausbildungsbetriebe Hand in Hand an einer nachhaltigen Wirtschaftsweise arbeiten, da diese langfristig sinnvoller ist. Dazu gehört ein bewusster und effizienter Umgang mit Ressourcen, die Vermeidung von Umweltverschmutzung sowie die Förderung ökologischer Innovationen

Nachhaltigkeit beginnt schon vor Ausbildungsbeginn

Auszubildende haben vor Ausbildungsbeginn die Möglichkeit bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz auch auf das Engagement in Bezug auf Nachhaltigkeit zu achten. Stephan gibt euren Azubis gerne ein paar wichtige Tipps dafür an die Hand:

  1. Kommt mit anderen Azubis ins Gespräch und lasst euch Empfehlungen für Ausbildungsbetriebe geben.

  2. Untersucht die Website des Unternehmens in Bezug auf Nachhaltigkeits-Engagement vor eurer Bewerbung.

  3. Stellt im Bewerbungsgespräch Nachfragen zu geplanten und bereits erfolgten Maßnahmen zur Nachhaltigkeit im Unternehmen.

  4. Informiert euch beim BIBB (Bundesinstitut für berufliche Bildung) über Ausbildungsberufe, die die Standardberufsbildposition bereits umsetzen

Und sind Sie jetzt auch motiviert, aktiv zu werden? In unserem Q 4.0 Training „CSR in der Ausbildung“ erlernen Sie umfangreiches Wissen über die Umsetzung von CSR-Konzepten (CSR = Corporate Social Responsibility), wenden diese praktisch auf Ihr Unternehmen an und erhalten einen fundierten Überblick über Best- und Worst-Practice-Beispiele. Melden Sie sich gerne an. Wir freuen uns auf Sie!

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