01.01.2026
Internationale Auszubildende bereichern Unternehmen – stellen Betriebe aber auch vor sprachliche Herausforderungen. Ein sprachsensibles Onboarding hilft, Missverständnisse zu vermeiden, Potenziale zu entfalten und Integration von Anfang an erfolgreich zu gestalten. Wie Sprache zum echten Erfolgsfaktor wird und welche Rolle Team und Organisation dabei spielen, zeigt dieser Beitrag.
Internationale Azubis gewinnen: Chancen erkennen, Herausforderungen verstehen
Du hast Auszubildende aus dem Ausland gewonnen oder möchtest gezielt Zugewanderte in dein Team integrieren? Eine großartige Entscheidung, denn internationale Azubis bringen wertvolle Perspektiven, Motivation und Vielfalt in Ihr Unternehmen.
Gleichzeitig ist klar: Sprache spielt im Alltag eine zentrale Rolle. Wenn Deutsch (noch) nicht sicher beherrscht wird, kann das manchmal zu Missverständnissen oder Unsicherheiten führen, sowohl bei den neuen Auszubildenden als auch im Team. Damit bist du nicht allein. Laut DIHK-Ausbildungsumfrage 2025 hat sich in den letzten zehn Jahren die Anzahl ausländischer Azubis in Deutschland verdoppelt. Gleichzeitig nennen 71% der Betriebe, die Bewerber:innen aus Drittstaaten ausgebildet haben oder dies vorhaben, mangelnde Sprachkenntnisse als größte Herausforderung.
Sprache als Schlüssel im Onboarding
Doch die gute Nachricht ist: Sprachförderung muss kein Hindernis sein, sondern kann ein echter Erfolgsfaktor werden, wenn sie von Anfang an Teil des Onboardings ist. Denn Sprache lernt man nicht nur im Kurs, sondern vor allem im Miteinander, im Arbeitsalltag und durch ein unterstützendes Umfeld.
Ein sprachsensibles Onboarding schafft genau diesen Rahmen. Es hilft neuen Auszubildenden, sich schneller sicher zu fühlen, ihr Potenzial zu entfalten und aktiv zum Team beizutragen. Gleichzeitig stärkt es das gesamte Team, weil Kommunikation, Geduld und interkulturelles Verständnis wachsen.
Ganz gleich, ob dein Ausbildungsunternehmen eine Personalabteilung hat oder nicht: Du hast die Chance, die Integration der neuen Beschäftigten zu begleiten, sie mit dem Thema Sprache nicht allein zu lassen und von Anfang an in den Onboardingprozess zu integrieren. Dabei stehen längst nicht nur die neuen Azubis im Fokus. Auch das vorhandene Team spielt eine entscheidende Rolle und sollte frühzeitig einbezogen werden. Die fünf Säulen des sprachsensiblen Onboardings zeigen, wie du Sprache auf Personal-, Team- und Organisationsebene nachhaltig verankern und damit die Basis für erfolgreiche Zusammenarbeit schaffen kannst.
1. Team im Vorfeld sensibilisieren
Gerade wenn es im Unternehmen noch wenig Erfahrung mit internationalen Azubis gibt, sollte sich die Belegschaft frühzeitig vorbereiten können. Das Thema Sprache scheint zunächst trivial, ist aber für die Integration Zugewanderter entscheidend. Folgende Fragen zur Unternehmenskultur sollten mit dem Team im Vorfeld beantwortet werden:
Wie sprechen wir hier?
Welche Sprache benutzen wir (Fachsprache, Dialekt, Jargon…)?
Was ist an dem spezifischen Arbeitsplatz wichtiger – Mündlichkeit oder Schriftlichkeit?
Was könnte für neue Azubis schwierig sein?
Wie können wir den „Sprachschock“ zu Beginn abfedern und was brauchen wir dazu?
Wo liegen bereits Kompetenzen im Team und wo benötigen wir noch Unterstützung?
Anhand einer solchen Bestandsaufnahme lassen sich nächste Schritte ableiten: Workshops zu Themen wie einfache Sprache, sprachsensibles Anleiten, kommunikative Hürden u.a. bereiten Kolleg:innen gezielt auf die Kommunikation mit nicht-muttersprachlichen Azubis vor. Lassen Sie das Team nicht allein! Je früher Sie es einbeziehen, desto reibungsloser wird die Integration gelingen.
2. Gezielte Sprachförderung im Betrieb
Dass Sprachelernen auch Expert:innen braucht, liegt auf der Hand, wenn es darum geht, effiziente Lernprozesse anzustoßen. Deutschkurse oder -trainings sind bewährte Formate. Im Sinne eines ganzheitlichen Onboardings finden sie während der Arbeitszeit und vor Ort im Unternehmen statt.
Es empfiehlt sich, dass du dir die Zeit nimmst und nach geeigneten Anbietern für die betriebliche Sprachförderung recherchierst. Im besten Fall suchst du hier nach einer langfristigen Zusammenarbeit mit dem Anbieter.
Folgende Fragen helfen dir dabei:
Welche Ziele sollen und können in welchem Zeitraum erreicht werden?
Wie werden die Bedarfe von Betrieb und Azubis ermittelt?
Wer übernimmt die Planung und Vorbereitung der Maßnahme?
Wie sind die Lehrkräfte qualifiziert?
Inwieweit sind die Materialien auf die Lernziele abgestimmt?
Je enger die Inhalte mit den tatsächlichen Anforderungen am Arbeitsplatz verzahnt werden, desto erfolgreicher wird die Sprachförderung sein. Da bist auch du gefragt: Sprich dich eng mit den Lehrkräften ab und gewähre ihnen Einblicke in das Unternehmen, z.B. bei Arbeitsplatz-Hospitationen, Vorab-Interviews und der Einsicht in Schriftstücke aus dem Arbeitsalltag. Nur so weiß die Lehrkraft, was deine neuen Azubis am Ende wirklich leisten sollen und bereiten sie zielgerichtet darauf vor.
3. Begleitung auf Augenhöhe
Eine vertrauensvolle und verlässliche Begleitung neuer Azubis ist gerade am Anfang wichtig. Unternehmen, die Zugewanderte beschäftigen, setzen eigene Mitarbeitende zunehmend als Sprachmentor:innen ein.
Sprachmentor:innen…
sind speziell geschulte Mitarbeiter:innen
sind keine Deutschlehrer:innen, aber sensibel für die Perspektive nicht-muttersprachlicher Kolleg:innen
begleiten auf Augenhöhe
können Sprachbarrieren im Arbeitsumfeld erkennen und abbauen
können ihre:n Mentee sprachsensibel anleiten und seine:ihre Sprachkompetenzen fördern
Azubis, die von Anfang an auf diese Weise unterstützt werden, gewinnen leichter an Selbstsicherheit und fühlen sich schneller im Team zugehörig. Typische Frustrationserfahrungen lassen sich vermeiden und Einarbeitungszeiten verkürzen sich. Auch auf die Kommunikation in deinem Team wirkt sich der Ansatz positiv aus: Fehler und Missverständnisse verringern sich, wodurch Konfliktsituationen reduziert werden. Dies fördert ein positives Arbeitsklima und steigert die Mitarbeiter:innenmotivation langfristig. Das fachliche Know-how von internen Sprachmentor:innen und ihre genaue Kenntnis der Unternehmenskultur sind dabei von unschätzbarem Wert und durch keinen externen Anbieter zu ersetzen.
4. Gemeinsames Lernen ermöglichen
Nicht immer sind Veränderungen im Unternehmen willkommen, zumal jede Veränderung auch Flexibilität erfordert. Es wäre daher fatal, sich allein auf neue, nicht-muttersprachliche Azubis zu fokussieren. Vielmehr sollten sich Unternehmen überlegen, welche Angebote auch für das aufnehmende Team attraktiv sein können.
Das Thema Sprache bietet dabei vielfältige Anknüpfungspunkte: Von der Einrichtung von Sprachcafés oder -stammtischen für unterschiedliche Sprachen über die Vermittlung von Sprachtandems bis hin zum kostenfreien Fremdsprachkurs während der Arbeitszeit. Für manche liegen hier Anreize, sich weiterzuentwickeln, für andere bieten solche Formate eine willkommene Gelegenheit, Gemeinschaft zu pflegen. So lassen sich Personal- und Teamentwicklung wunderbar miteinander verbinden. Der Kreativität von Unternehmen sind hier keine Grenzen gesetzt.
5. Unternehmen als Sprachlernort
Die letzte Säule nimmt schließlich die konkrete Arbeitsumgebung in den Blick. Überprüfen Sie:
Wie ist der Arbeitsplatz gestaltet?
Gibt es unterstützende Piktogramme, Visualisierungen für wichtige Prozesse?
Sind Arbeitsmittel beschriftet?
Gibt es Hilfe zur Selbsthilfe? Stehen bspw. Videoanleitungen zur Verfügung? Existieren Glossare, Checklisten und wie leicht haben Azubis darauf Zugriff?
Wie sieht der Besprechungsraum aus? Stehen Flipchart und Stifte bereit, um wesentliche Aspekte festzuhalten?
Liegen wichtige Unterlagen, Willkommensmappen mehrsprachig oder in einfacher Sprache vor?
Können nicht-muttersprachliche Kolleg:innen das Willkommenspaket überhaupt ohne Unterstützung verstehen?
Hier können Sie selbst aktiv werden. Gestalten Sie die Arbeitsräume und -dokumente möglichst sprachbarrierefrei. Und wenn die neuen Azubis da sind: Bleiben Sie im Austausch! Was kann noch verbessert werden? Welche Ideen haben sie, um künftigen zugewanderten Kolleg:innen den Einstieg weiter zu erleichtern? Oft sind es kleine, aber wirkungsvolle Veränderungen, die den Ausbildungsbetrieb zum Sprachlernort machen.
Fazit: Sprache als Brücke zur Integration
Sprachsensibles Onboarding ist kein Zusatzprojekt, sondern Teil guter Ausbildungspraxis. Wenn du Sprache von Beginn an mitdenkst, profitieren alle: Auszubildende, Team und Unternehmen.
Wie gestaltest du sprachsensibles Onboarding in deinem Betrieb? Teile deine Erfahrungen im Netzwerk Q 4.0 oder diskutiere in unseren Austauschformaten! Weitere Informationen und Materialien zum Download zum Thema Sprachsensibilität findest du auch auf unserer Themenseite.







